German Q&A: Christian Czernich, CEO, Founder und Managing Partner bei Round2 Capital Partners

Christian Czernich ist CEO, Founder und Managing Partner bei Round2 Capital Partners. Im Gespräch mit Palico haben wir uns über das Revenue-based Financing ausgetauscht und diskutiert inwieweit dieses eine Antwort auf die gegenwärtigen Herausforderungen für junge Tech-Unternehmen bieten kann.

Palico

Christian Czernich CEO, Founder und Managing Partner bei Round2 Capital Partners


Die Industrie 4.0 und der Ausbau neuer digitaler Geschäftsmodelle sind gegenwärtig in aller Munde. Doch neben den zahlreichen Chancen für insbesondere junge Unternehmen, welche Herausforderungen sehen Sie für eben diese in Zeiten der digitalen Transformation?

Christian Czernich: Die Herausforderungen sind vielfältig. Eine der wesentlichen Herausforderungen ist es eine profitable Nische im Markt zu besetzen, die nicht auf dem Radar der globalen Tech Giganten ist. Entgegen den ursprünglichen Erwartungen haben das Internet und die Cloud die Schaffung von globalen Monopolen stark begünstigt. Dies insbesondere aufgrund positiver Netzwerkeffekte und damit verbundener positiver Feedback Schleifen im Bereich Big Data und Artificial Intelligence (AI) die großen Unternehmen immense Vorteile verleihen. Eine zweite wesentliche Herausforderung für junge Tech Unternehmen ist der Zugang zu technischem Talent. Gerade in der DACH Region gibt es sehr starke Kompetenz im Bereich der Mechanik aber im Bereich der Elektronik und Softwareprogrammierung gibt es immer noch großen Nachholbedarf. Die universitäre Ausbildung muss sehr rasch umgestellt und erweitert werden und es muss die Einwanderung von Talenten aus der ganzen Welt nach Europa stark gefördert werden. Nur qualifizierte Einwanderung kann das Talentproblem kurzfristig lösen. Eindrittes Problem ist die Sicherung der notwendigen Finanzierung für das Wachstum. Die digitale Transformation hat zur Folge, dass das Vermögen von Unternehmen immer mehr auf immateriellen Vermögensgütern basiert, diese aber von Banken nicht als Scherheiten akzeptiert und verstanden werden. Damit sind Banken aufgrund struktureller Probleme nicht in der Lage junge Tech Unternehmen zu finanzieren, selbst wenn diese profitabel sind. Oft sind VC Firmen die einzige wirkliche Alternative, aber eine VC Finanzierung führt immer zur Verwässerung der Gründer und zwingt Unternehmen zu äußerst aggressiven Wachstumsstrategien, die oft nicht umsetzbar sind. Hier bietet Round2 eine echte Alternative für junge Unternehmen.

In diesem Sinne: Was ist das Konzept hinter Round2 Capital Partners?

Christian Czernich: Round2 unterstützt junge Technologieunternehmen bei der Beschleunigung des Wachstums durch die Zuführung von Kapital und Kompetenz. Dazu verwenden wir eine im deutschsprachigen Raum neuartige Finanzierungsform –
Umsatzbeteiligungen. Umsatzbeteiligungen bieten Unternehmern und Investoren eine ganze Reihe von Vorteilen und lösen wesentliche Probleme auf dem Finanzierungsmarkt für junge Unternehmen. Unternehmen wird Kapital zugeführt und im Gegenzug erhält Round2 einen Anteil von 2% bis 5% am monatlichen Umsatz bis ein vorab definierter Cap zwischen 1,35x-2,15x dem Finanzierungsbetrag erreicht ist. Es gibt weder eine klar definierte Laufzeit der Finanzierung noch einen vorab definierten Zinssatz. Beides ergibt sich erst am Ende der Laufzeit, d.h. wenn der Cap erreicht wurde. Ein typischer Finanzierungshorizont ist für uns 3-6 Jahre. Ein Erwerb von Anteilen am Unternehmen ist nicht notwendig und somit benötigt Round2 auch keinen Exit, da die Finanzierung automatisch bei Erreichen des Cap ausläuft. Sollte es dennoch während der Laufzeit zu einem Exit kommen, erhält Round2 eine Exit Fee als Bonus.

Was sind grundsätzliche Vorteile des Revenue-based Financing?

Christian Czernich: Die Finanzierung hat einige wichtige Vorteile für sowohl Zielunternehmen als auch Investoren. Für Zielunternehmen sind die wesentlichsten Vorteile, dass es zu keiner Verwässerung der bestehenden Eigentümer kommt, dass sich die Rückzahlung automatisch an den Unternehmenserfolg in Form von Umsatz anpasst und dass der Finanzgeber nicht gezwungen ist Gründer nach einem gewissen Zeitraum um jeden Preis in einen Exit zu drängen. Ein weiterer wesentlicher Vorteil ist, dass der Finanzierungsprozess deutlich einfacher und schneller ist als jener für eine Eigenkapitalinvestition, etwa weil es nicht notwendig ist eine Unternehmensbewertung zu verhandeln. Somit bleibt für das Management des Unternehmens mehr Zeit sich um die operativen Belange des Unternehmens zu kümmern statt übermäßig viel Zeit für das Fundraising verwenden zu müssen. Für Investoren in Revenue-based loan Fonds wie Round2 ergeben sich ebenfalls erhebliche Vorteile. In solchen Fonds werden volatile Cashflows von jungen Wachstumsunternehmen in stabile Cashflows über ein diversifiziertes Portfolio von Umsatzbeteiligungen umgewandelt. Es erfolgt also eine Asset Transformation die das Risiko deutlich reduziert. Gleichzeitig werden aber Renditen erreicht, die über jenen der meisten VC Fonds liegen und es kommt zu laufenden Ausschüttungen an Investoren.

Ist das Konzept des Revenue-based Financings demnach eine Antwort auf die sich verändernden Vermögenswerte von Tech-Unternehmen?

Christian Czernich: Aus meiner Sicht sind revenue-sharing loans die neuen Bankkredite des digitalen Zeitalters. Anstatt die Besicherung an den – nicht vorhandenen – dinglichen Sicherheiten aufzuhängen, verwenden Umsatzbeteiligungen wiederkehrende Umsätze – recurring revenues – als die Grundlage der Besicherung. Dies ist möglich, weil digitale Geschäftsmodelle die transparente Generierung von recurring revenues
ermöglichen. Das Pricing von Umsatzbeteiligungen passt sich automatisch an den Unternehmenserfolg an, muss aber immer über dem Pricing von herkömmlichen Bankkrediten liegen, um dem Risiko jeder einzelnen Finanzierung gerecht zu werden.

Wird diese Form der Finanzierung in Europa zunehmen?

Christian Czernich: Ja, das denke ich jedenfalls. Man konnte in den letzten 12 bis 18 Monaten schon eine starke Zunahme des Interesses an Venture Debt in der DACH Region insbesondere in Deutschland feststellen. Unternehmensgründer suchen aktiv nach Alternativen zu VC Finanzierungen, die es ihnen ermöglichen die Verwässerung so gering wie möglich zu halten. Auch wollen und können nicht alle jungen Unternehmen den oft unrealistischen Wachstumserwartungen von VCs getrieben von massiven Burnrates gerecht werden. Unternehmensgründung und Selbständigkeit wird für die junge Generation mehr und mehr zu einem Way of Life und nicht jede Unternehmensgründung kann zu einem neuen Google führen. Daher bedarf es Finanzierungsalternativen die es der wachsenden Anzahl von Gründern ermöglicht ihre Unternehmen zwar aggressiv, aber dennoch nachhaltig, profitabel und langfristig zu entwickeln. Und genau dafür sind Umsatzbeteiligungen das ideale Instrument.

Was müssten Banken und andere traditionelle Geldgeber vor diesem Hintergrund verändern, um die Finanzierungslücke für SMEs schließen zu können?

Christian Czernich: Meiner Meinung nach verfügen Banken weder über die richtigen Instrumente noch über die richtigen Kompetenzen, um junge Tech Unternehmen, die auf immateriellen Vermögenswerten aufbauen, im großen Umfang finanzieren zu
können. Der Bankkredit, entwickelt im Zeitalter der industriellen Revolution, ist im digitalen
Zeitalter schlicht obsolet. Banken müssten daher gänzlich neue Finanzierungsinstrumente entwickeln, die in direkter Konkurrenz zu ihren bestehenden Instrumenten stehen und ich bezweifle, dass sie dazu in der Lage sind. Des Weiteren müssten Banken neues Personal aufbauen, das in der Lage ist, nicht nur eine Bilanzanalyse und eine Beurteilung von dinglichen Sicherheiten vorzunehmen, sondern die Beurteilung der Tragfähigkeit von einzelnen digitalen Geschäftsmodellen und dem Management durchzuführen, was wiederum einen massiven Umbau des Personals und der Kostenstruktur bei der KMU Finanzierung nach sich ziehen würde. Eine Möglichkeit ist aber die weitgehende Automatisierung des Finanzierungsprozesses mit Hilfe von AI. Solche Modelle werden wir schon sehr bald bei der standardisierten Kreditvergabe, etwa bei Immobilienfinanzierungen oder Consumer Loans sehen. Wann und ob diese Modelle auch für eine nicht so leicht standardisierbare Beurteilung von jungen Wachstumsunternehmen und deren Geschäftsmodellen möglich ist bleibt derzeit noch eine offene Frage. Auch können AI gestützte Finanzierungssysteme keine Unterstützung bei der Entwicklung der jeweiligen Unternehmen geben.

Vielen Dank für Ihre Einschätzung. Abschließend noch zwei offene Fragen an Sie. Die DACH-Region sollte im Vergleich zum angelsächsischen Raum……

Christian Czernich: …eine Führungsrolle zumindest in mehreren technologischen Kernbereichen beanspruchen. Zweifellos hat der DACH Raum gegenüber dem angelsächsischen Raum bei den Kerntechnologien AI und Big Data derzeit das Nachsehen, weil das Ökosystem für Innovationen immer noch unterentwickelt ist und die
technologische Entwicklung weitgehend verschlafen wurde, man denke nur an die Automobilindustrie. Trotzdem glaube ich, dass insbesondere im Bereich von intelligenten
und vernetzten Fertigungs- und Infrastruktursystemen, Stichwort Industrie 4.0 und 3D Printing, im Bereich der Chemie und Materialwissenschaften und auch im Bereich Healthcare und Healthtech der DACH Raum eine globale Führungsrolle einnehmen kann.

2019 wird vor allem spannend im Bereich….

Christian Czernich: …der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Während sich die Konjunktur spürbar abkühlen wird, glaube ich nicht an ein Katastrophenszenario wie in 2008. Die digitale Transformation wird zwar ständig tiefgreifende strukturelle Veränderungen in allen Branchen verursachen ist aber gleichzeitig ein langfristig positiv wirkender Wachstumsmotor, der nicht auf einer künstlichen Blase beruht.

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